Hoppla

Da war doch was? Während die Yachtzeitschriften sich mal vor Lob überschlagen, mal nicht so überschwänglich sind, hat die neue B/one von Bavaria ihr Debüt auf der Regattabahn abgelegt. Und eine der ersten Veranstaltungen war gleich die Cowes Week. Und in der ersten Wettfahrt ist der B/one angeblich gleich ein Mastbruch bei 20 Knoten Wind auf einem Downwindgang widerfahren. Ob den harten Bedingungen oder einem “menschlichen Versagen” geschuldet, ist nicht bekannt.

Die B/one bei der Cowes Week (auf Bild klicken für den ganzen Ausschnitt).
Photocredit: Rick Tomlinson, Aberdeen Asset Management Cowes Week

Dort war das Gesamtergebnis wegen vieler DNCs zwar nicht so berauschend, aber von den angetretenen Wettfahrten wurden zwei gewonnen und ein dritter Platz belegt. Klar, die beste Crew gewinnt schließlich mit jedem Schiff.

Die eigentliche Überraschung lauert aber in den Zieleinlauflisten: Nach 2,5 Stunden nur eine Minute hinter einer Viper 640, aber deutlich vor Platu 25 und J-80? Was ist da denn los? Wieder kann man das alles auf eine super Crew in dem sehr anspruchsvollen Revier schieben oder einfach sagen: Vielleicht ist die Kleine von Bavaria doch flotter als allgemein erwartet. Langsam sollten die ewigen Grundsatzkritiker, die Bavaria und Sportlichkeit für Unvereinbar halten, also zumindest einmal ins Nachdenken kommen.

Jetzt sind wir natürlich erst so richtig gespannt, wie die neue Giebelstädterin am Bodensee sich anstellen wird und was für ein Rating das Boot nach ORC erhält. Nach IRC hat die B/one einen TCC (time corrector IRC) von 0,969, während die Platu 25 einen Wert von 0,959 und die J/80 einen TCC von 0,951 hat.
Dies bedeutet, dass die B/one nach dem IRC-Rating knapp 2% schneller als die J/80 sein soll.

Die neue J-70, mit einem TCC von 0,971 auf dem Papier noch einen Tick schneller als die B/one, war übrigens auch mit dabei und hat auch einen Tagessieg erringen können. Auch davon wird früher oder später hier am See eine zu sehen sein.

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5 Gedanken zu “Hoppla

  1. 4 Leute auf der Kante plus Steuermann machen aber ganz schön aufrichtendes Moment (sind ja Verhältnisse wie bei der Melges) plus der doch massive Ballast. Ob das Rigg wirklich dafür ausgelegt wurde?
    Weiß einer, wie die Krafteinleitung in den Rumpf geschieht bei der Kiste? Die Püttinge sehen so aus, als wären sie sehr weit außen.
    Naja, ich muss mir so eine Kiste mal genau angucken, ich finde das Ding sehr schick.

  2. Moin allseits in diesem Forum!
    Ich, Peter Meyer, bin der Projektleiter der B/one und auch geistiger (Teil)Vater des Schiffes.
    Thema Mastbruch mal zuerst: Welche Einheitsklasse hatte keine Mastbrüche bisher? Nur mal so. Ein Sportboot am Limit gefahren, und – weil eine der ersten großen Regatten auf ganz holprigen Pflaster des Solent (habe da selber AC gesegelt und OD Races über Decaden) auch noch das Boot richtig kennengelernt werden muss, sei ein solcher Fehler der Crew gerne verziehen.
    Statisch gibt es KEINE PROBLEME! Trimmt mal Eure Rennbote falsch und holzt achtkantig in eine steile Welle. Auch mit 2en auf der Kante geht das bei falschem Trimm nicht gut.
    ODER?
    Und ich weiß genau, wie die Struktur des Schiffes ist – auch das technische Konstrukt des Laminates und der Beams.
    Bei Fragen, immer wieder und gerne zu erreichen unter b1@boatyard-solutions.de

    Thema Speed. Jawoll. Wir haben ein Boot gebaut, dass ohne Rücksicht auf auch nur einen Rennwert designt wurde. Punkt. Die Ratings, die sich jetzt ergeben, sind fair und absolut gerade. Also nix schöngerechnet.
    Ich selber habe das Boot it dem Werksteam gegen viele Schiffe gesegelt. Die Theorie stimmt!

    Aber mal ganz abgesehen davon noch einmal einen kleinen Schnack zum Boot und seinem Konzept an sich: Grundsätzlich haben wir das Boot nicht dazu designt, um den vielen bestehenden, anspruchsvolleren und super Schiffen eine Konkurrenz zu machen! Sicherlich wollten wir aber auch nicht die langsamte Kiste sein.
    Das Boot soll allen großen Klassen und dem Segelsport generell helfen, mal wieder neue Leute auf´s Wasser zu holen. Die Zahl derer Menscheen ist übrigens dramatisch rückläufig. Global! Und daher denke ich, dass wir mit dem Boot genau das erreichen.
    Oder kennt Ihr einen Einsteiger oder Umsteiger, der gleich 60T+€ für ein Spaßboot ausgeben will?

    Ich bin nach über 25 Jahren in der Branche und vielen Jahren Nationalmannschaft und AC Klassen und Offshore Races und Skiff Races der Meinung, das Boot hilft uns allen, irgendwann mal wieder Leute zu finden, die mit uns allen zusammen auf´s Wasser wollen.
    Und da hilft ein komplexes Sportgerät einfach nicht wirklich. Oder?
    Aber schön, dass sich “mein Baby” so fortpflanzt (immerhin schon über 70 Schiffe ausgeliefert!) und sich alle darüber unterhalten, wer nun die direkte Konkurrenz ist. Das ehrt mich & das ganze team.

    Aber findet es eraus, wenn nächstes Jahr die Race Series an den Start geht, und am Ende mit ner amtlichen WM seinen Meister finden wird.
    Oder bei der Meister der Meister Regatta in Hamburg. Da segeln die Jungs auch alle zusammen damit. Erstes Feedbck “klasse. Einfaches Boot, schnell, spaßig und für jeden mit gleichen Waffen bezahl- und bedienbar”….

    Nun gut.
    Also: Zu Fragen immer gerne.

    Gruß an alle & weiterhin eine schöne Saison,

    PETER MEYER
    Boatyard Solutions

    • Danke für das Angebot, Fragen in PN zu stellen und zu beantworten.
      Wir sind hier aber in einen Forum um Fragen und Antworten öffentlich zu diskutieren.

      Zum Thema Upwind-Speed: Letztes Wochenende hab ich eine B/one mal live, wenn auch nur am Festmacher gesehen. Die 14+ kn glaube ich jetzt. Da wurde tatsächlich mächtig viel Luft im Bug verbaut. Damit zu unterscheiden ist schon fast ein Kunststück.

      Zum Thema Konzept: Irgendein Spaßvogel hat im Vorfeld die Melges24 als Vergleichs Boot angeführt. So eine Kampfansage lässt natürlich die Szene der sportlich segelnden Sportbootsegler aufhorchen und die vergleichen dann aus Sicht der Regattasegler, nicht des Einsteigers.

      Zum Thema Struktur: Was mir noch immer nicht ganz klar ist, im Vorfeld wurde von Volllaminat gesprochen. In den Testberichten ist das Boot in Sandwiche gebaut. Soric ist ja auch schon eine Form von Sandwiche, bringt aber bei gleichem Gewicht lange nicht die Festigkeit. Es wäre schön, einmal den wirklichen Aufbau zu kennen.
      Mein Kritikpunkt sind die Wantenpüttinge. Für den Einsteiger und die Clubregatta hält das sicher ein Bootsleben. Im harten Regattaeinsatz glaube ich da nicht an Dauerhaftigkeit.
      Wir wissen alle, um bei achterstaglosen Riggs einen einigermaßen verträglichen Vorstagdurchhang zu erreichen, muss man die Wanten anknallen bis beinahe der Saft kommt. Wer einen Querschnitt der Püttinganordnung macht und dann die Kraftlinien einzeichnet, wird den Punkt der Lastspitze erkennen.
      Bei der Mono22 mit fast gleicher Segelfläche aber nur 230 Kg Kielgewicht wurde dasselbe System verwendet. Das Boot ist mit einem Soric Schaum Laminat gebaut. Nach dem mehrere Boote den Mast gelegt haben, weil das Deck im Bereich der Püttinge nachgegeben hat, kann man sicher von einem strukturellen Problem bei der Mono22 sprechen. Daher habe ich persönlich meine Zweifel, dass dasselbe System bei der B/one, die mit ihrem weit höheren Crew- und Kielgewicht den Druck wesentlich später durch Lage ablässt, dauerhaft hält.

      Trotzdem wünsche ich der B/one viel Erfolg. Es ist einfach auch eine Form von Solidarität, das Geld im Binnenmarkt zu belassen, anstelle es nach China zu schicken.
      Und ja, ich würde sie gerne einmal bei Pressluft mit meiner Crew rocken!

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